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Aus
Kapitel 2:
Mann
und Frau bei Nietzsche
Es
fängt ganz harmlos an. Indem wir z. B. glauben, wir könnten
als Frau und Mann in einer Beziehung so irgendwie einfach nett zusammen
sein. Indem wir unser Mann- und Frausein meinen übergehen zu können
und gleich die menschliche Ebene erreichen wollen. Sicher sollen wir das
anstreben, doch das Spiel, der Weg dorthin hat Zwischenstufen. Und gerade
diese Zwischenstufen machen das Leben bunt und reizvoll und erotisch.
- Der Impuls also müsse vom Männlichen ausgehen. Nun ist es
aber keineswegs so, dass allein das Männliche das Mächtige,
das Entscheidende ist. Das Weibliche hat ebenso eine für den Mann
subtile, sehr große Macht. Was in einer Begegnung tatsächlich
passiert, entscheidet letztlich so gut wie immer die weibliche Seite.
Da
ist vielleicht ein intensiver Blick seitens der Frau, eine Aufforderung,
eine Einladung. Das aktive Hingehen jedoch ist uns Männern überlassen.
Das gehört zu unserem Impuls. Wie weit die Begegnung geht, entscheidet
jedoch die Frau. Sie muss ihr Einverständnis, ihre Erlaubnis geben.
Aber wenn wir als Mann den Impuls verweigern, wenn wir nur darauf warten,
dass die Frau auf uns zugeht, tritt etwas recht Eigenartiges ein: für
die Frau werden wir dann wie ein Kind, und das verärgert sie. Besonders
wenn eine Beziehung schon eine Weile geht und der Mann weiterhin seinen
Impuls verweigert, dann wird die Impulskraft nach und nach von der Frau
übernommen: Eine Beziehung ist wie ein System, in dem sich die Kräfte
unweigerlich immer wieder in eine ausgewogene Balance verteilen. -
Wenn die Frau den Impuls übernehmen muss, wird sie ärgerlich.
Es widerspricht ihrer Natur, schon rein anatomisch, es ist also nicht
nur erziehungsbedingt! Die Frau 'vergewaltigt' dann den Mann, der darauf
mit Impotenz, mit Schwäche reagiert. Das wiederum lässt die
Frau den Mann verachten mit der Folge, dass er sich seinen Impuls schon
gar nicht mehr zutraut. Er wird zum würdelosen Anhängsel der
Frau. 'Du bist ja kein Mann!' bekommt er zu hören. Die Frau fällt
in die Mutterrolle, der Mann in die Sohnesrolle. Das taugt nicht für
eine Beziehung. Das ist der Teufelskreis. Hier beginnt er seinen Lauf
zu neh-men. Ihr seht, es handelt sich hier um sehr subtile seelische Dynamiken.
Weibliche
und männliche Urängste
Friedrich
Nietzsche hat in seinem 'Also sprach Zarathustra' wunderbar gezeigt, auf
was es ankommt. Die alte weise Frau lehrt den Jüngling, wie Mann
und Frau miteinander glücklich werden. Es ist so einfach, nur drei
Regeln sind zu beachten:
1. Das Glück des Mannes heißt: Ich will!
2. Das Glück des Weibes heißt: Er will!
3. Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht!
Diese
Provokation Nietzsches hat schon immer Frau und Mann in Aufruhr versetzt.
Sie wird nur bis heute missverstanden. Eine kleine Ergänzung aber
lässt uns dem Geheimnis auf die Spur kommen.
Die
Urangst des Männlichen heißt:
Eingesperrt und der Freiheit beraubt zu werden.
Das
Glück des Mannes heißt nämlich: Ich will dich! Mit die-sem
'dich' werden Nietzsches Sätze verständlich. Ich will dich!
Und zwar nicht, weil du mich hältst, sondern weil ich dich will.
Weil ich meinem natürlichen Impuls folgen darf. Das Männliche
will sich nach wie vor frei fühlen, obwohl es eine Höhle gefunden
hat. -
Die
Urangst des Weiblichen heißt:
Meint er überhaupt mich?
Will er nur etwas Allgemein-weiblich-Sexuelles?
Irgendwie
spürt das Weibliche instinktiv, dass das Männliche eigentlich
nicht zu halten ist, ständig drängend ruhelos wei-ter will.
Darum wird die Frau den Mann ständig auf die Probe stellen. Meinst
du wirklich mich? Bist du mir wirklich treu? Der Mann muss das ständig
aufs Neue beweisen. (Lachen). Das Weibliche will immer das Männliche
halten, darf es aber nicht halten wollen! Damit würde es das Männliche
korrum-pieren und das, was es eigentlich liebt und sucht, diese wilde
Kraft, domestizieren. Das Weibliche kann dann nur noch verachten, was
es sich gezähmt hat. Wie viele Frauen haben das schon 'geschafft',
wie viele Männer haben sich das ge-fallen lassen! Ohne es zu wollen,
so gut gemeint! Aus 'Liebe'! Wenn aber das Männliche, aus tiefstem
Inneren heraus, sagen kann: 'Ich will dich!', dann findet es in sich selbst
bereits eine ganz zentrale Beruhigung. Verliert ein wenig sein Getriebensein,
seine Rastlosigkeit. Friede tritt ein. Und das Weibliche fühlt sich
im Tiefsten angenommen und verstanden. Auch hier tritt eine enorme Entspannung
und Befriedung ein. 'Er will mich!' Das ist das Glück des Weiblichen.
Diese vom Mann ausgehende Haltung gibt Sicherheit, stärkt das weibliche
Vertrauen und löst so die Urangst der Frau.
Und
drittens, 'wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht' - das
habe ich ewig nicht verstanden, bis ich endlich von Ines gelernt habe,
was das bedeutet. (Lachen) - Das Männliche muss sich nämlich
selbst immer wieder aufrichten, sich erigieren im umfassenden Sinne des
Wortes. Sich ermannen, sich nicht von der Frau zum kleinen Bübchen
machen lassen! Es sich im Mutterschoß nicht zu bequem machen, sich
nicht einlullen lassen. Damit die Achtung und die Würde vorein-ander
erhalten bleiben. Mann muss hin und wieder 'mit der Peitsche knallen':
Sich die Peitsche gewissermaßen selbst geben! ...
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